Rückblick - Passionsmusik in der Karwoche

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Eine Passionsmeditation in der Karwoche, was kann es Einprägsameres geben!

Marcel Duprés 4-sätzige Symphonie-Passion, von Dissonanzen, gehäuften Synkopen und viel Chromatik geprägt, ist keine leichte Kost. 1924 auf einer Konzertreise durch die USA entstanden, ist es eine in Noten fest gehaltene Improvisation, die der gefeierte französische Organist am Schluss seines Konzerts zum Besten gab.

4 Choräle hatte man Dupré zur Interpretation aufgegeben, die das Erwarten des Messias, dessen Geburt, sein Leiden und Sterben sowie seine Auferstehung widerspiegeln.

Le Monde attend le Sauveur, Nativité, Crucifixion und Résurrection, so hat er diese Aufteilung genannt. Es war nicht immer einfach, die zugrunde liegenden Melodien zu erkennen. Klangmassen, teils bis zur Bombastik gesteigert, machten es den Zuhörern in der Herz-Jesu-Kirche nicht einfach.

Die Stettenerin Mirjam Haag braucht im Raum Waiblingen nicht mehr vorgestellt zu werden. In kurzer Zeit hat sich die Musik-und Mathematikstudentin die Herzen der Musikfreunde im vorderen Remstal erobert. Besonders die französische Orgelszene mit César Franck, Louis Vierne sowie Charles Widor haben es ihr angetan. Und Dupré reizt sie besonders, war er doch ein begabter Improvisator.

Das Improvisieren, das Spiel aus dem Stegreif, ist eines ihrer sehr geschätzten Markenzeichen.

Die Köberle-Orgel der Kernener Herz-Jesu-Kirche stammt aus dem Jahr 1983. Sie wird zu allererst im Dienst des Gemeindegesangs eingesetzt. Nur ganz selten ist das heilige Instrument auch als Konzertorgel zu hören. Und dann gleich in den Fußstapfen der französischen Organisten des 19. Jahrhunderts! Aristide Cavaillé-Colls symphonische Konzertorgeln, mit denen der Klang von einzelnen Instrumenten und Ensembles nachgeahmt werden konnte, waren das Mittel, das Werkzeug für das französische Orgel-Jahrhundert.

Und nun Rommelshausen. Die Köberle-Orgel ist kein Imitat irgendwelcher musikalischer Vorbilder, sondern ein eigenständiges Werk, das mit seiner Palette von Farben auch für anspruchsvolle Musik geeignet ist. Dass Mirjam Haag einen eigenen Registranten engagiert hatte, liegt auf der Hand. Die Klangfülle, der inspirierende Nuancenreichtum kann von einer Organistin allein nicht bewältigt werden. Gut auch, dass die Poesie auch zu ihrem Recht kam. „Poetry Slam“ war in der Ankündigung zu lesen. Die Texte des leidenschaftlichen Wortkünstlers Maximilian Wiesbacher trugen viel zum Verständnis der Passionsmusik bei. In Rommelshausen wurden sie von Ansgar Kutscha vorgetragen.

(Test U. Gerlinger)