Durchkreuzt und neu gemacht
Das Kreuz Jesu Christi ist kein Schmuck des Glaubens und kein Zeichen frommer Gewohnheit. Es ist ein Einspruch gegen das, was sich festgesetzt hat. Das Kreuz durchkreuzt, was ist: Angst, Anpassung, Gleichgültigkeit, Unrecht, Selbstsucht und die Macht des Gewohnten. Es stellt die Welt nicht ruhig, sondern in Frage. Und gerade darin liegt seine Hoffnung: Es macht alles neu.
Wer auf das Kreuz blickt, sieht keinen Weg des Erfolgs, sondern den Weg der Liebe, die standhält. Jesus geht diesen Weg bis zum Äußersten. Er weicht nicht aus, er schweigt nicht, wo Wahrheit gesagt werden muss, und er zieht sich nicht zurück, wo Menschen verloren zu gehen drohen. Das Kreuz zeigt: Gottes Kraft erscheint nicht in Überlegenheit, sondern in Hingabe. Gottes Wahrheit zeigt sich nicht in Lautstärke, sondern in Treue.
Darum ruft das Kreuz auch uns heraus. Es ruft uns, zu wagen, was keiner wagt. Zu sagen, was keiner sagt. Zu glauben, wenn Zweifel regiert. Nein zu sagen, wo Mitlaufen leichter wäre. Licht zu machen, wo Dunkelheit sich ausbreitet. Christlicher Glaube ist nicht die Kunst sich abzusichern. Er ist der Mut, aus dem Evangelium zu leben, auch dann, wenn es unbequem wird.
Das Kreuz Jesu Christi macht nicht alles einfach. Aber es macht alles neu. Es nimmt dem Alten die letzte Macht: der Angst, dem Tod, der Schuld, der Resignation. Wer sich von Christus rufen lässt, muss nicht in den Mustern bleiben, die alle kennen. Ein anderer Weg ist offen. Der Weg der Liebe. Der Weg der Wahrheit. Der Weg des Lebens.
Das Kreuz des Jesus Christus durchkreuzt, was ist und macht alles neu. Darin liegt der Trost. Darin liegt der Auftrag. Darin liegt die Hoffnung.
DiR Bernd-Günter Barwitzki,ofs




