Sonnengeküsst
Die Erdbeere in der Hand – noch warm von der Sonne, ihr Duft erfüllt die Luft. Ein leiser Hinweis auf die Güte der Schöpfung, die uns Tag für Tag umgibt. Sonnengeküsst sind nicht allein die Früchte dieser Zeit. Auch wir dürfen es sein, wenn wir uns berühren lassen vom gegenwärtigen Augenblick – wach, empfänglich und dankbar. Wenn wir nicht im Morgen verweilen oder dem Nächsten nachjagen, sondern im Hier und Jetzt ruhen, für einen Atemzug oder zwei.
Der Tag ist kein Getriebener; er ist Gabe. Er will nicht erobert, sondern empfangen werden. Was heute reift, lädt uns ein, es wahrzunehmen: ein ehrliches Gespräch, ein sanfter Windhauch, das flüchtige Spiel des Lichts auf dem Wasser. Nichts Außergewöhnliches – und doch erfüllt von Sinn. Vielleicht beginnt wahre Freude genau hier: im Einverständnis mit dem Unvollkommenen, im stillen Staunen über die Fülle dessen, was uns geschenkt wird – ohne Verdienst, aus Gnade. Sonnengeküsst zu sein bedeutet nicht, dass alles hell ist. Es bedeutet, das Licht zu erkennen, wenn es uns begegnet – und es nicht zu übersehen. Möge dieser Tag ein solcher sein.
Pace e bene
DiR Bernd-Günter Barwitzki, OFS




