Marienmonat Mai
„Ich sehe dich in tausend Bildern …
Doch keins von allen kann dich schildern,
Wie meine Seele dich erblickt.“ (Novalis)
Maria erscheint hier nicht als ferne Idealfigur, sondern als eine Wirklichkeit, die sich nicht festlegen lässt. Eine gesunde Marienverehrung bleibt genau hier: Sie bleibt schlicht, unaufdringlich und verliert sich nicht in äußeren Formen, sondern weist über sich hinaus. Maria steht nicht im Mittelpunkt um ihrer selbst willen, sondern als Wegweiser – auf Gott hin und auf das Leben in seiner Tiefe.
Zugleich gehört dazu der Gedanke, dass Maria für die Menschen bei Gott eintritt. Als Fürsprecherin trägt sie das, was uns beschäftigt – Sorgen, Bitten, Dank – vor Gott. Das eröffnet eine konkrete, alltagstaugliche Form des Glaubens: nichts muss unausgesprochen bleiben, nichts ist zu klein, um vor Gott gebracht zu werden.
Mit Maria den Alltag zu leben, bedeutet daher nicht, etwas Zusätzliches leisten zu müssen, sondern den eigenen Tag bewusst zu gehen: Entscheidungen nicht nur aus dem Moment heraus zu treffen, sondern im Vertrauen; Schwierigkeiten nicht nur als Last zu sehen, sondern auch als Ort, an dem Begleitung möglich ist; kleine Freuden wahrzunehmen und weiterzugeben. Diese Haltung ist leise, aber tragfähig.
Dazu passt der Mai mit seinem Aufblühen: Knospen öffnen sich, Farben kehren zurück, alles wirkt leichter und lebendiger. Dieses Wachsen geschieht ohne Aufsehen – und genau so kann auch Glaube im Alltag Gestalt annehmen: unaufdringlich, aber wirklich.
So wird der Marienmonat Mai zu einer Zeit, in der sich äußeres Aufblühen und gelebter Alltag verbinden – im Vertrauen darauf, dass dieser Weg nicht allein gegangen werden muss.
Pace e bene
DiR Bernd-Günter Barwitzki, OFS




