Angedacht vom 04.05.2020

8. Mai 2020 – TIME FOR PEACE

75 Jahre nach dem 8. Mai 1945 ist dieses historische Datum heute mehr denn je Anlass, sich mit den Folgen des deutschen Angriffskrieges auseinanderzusetzen. Es gibt immer weniger Menschen, die sich aus eigenem Erleben an die Schrecken des Zweiten Weltkrieges, an den Holocaust, an die Konzentrationslager, an die Bombenangriffe sowie Flucht und Vertreibung erinnern. Die übergroße Mehrheit der Menschen in unserem Lande ist nach 1945 geboren. Weltweit verloren mehr als 60 Millionen Menschen ihr Leben. Seit 75 Jahren haben wir in Mitteleuropa Frieden und dessen stärkster Garant, die EU, ist z. Zt. sehr fragil. Es liegt an jedem Einzelnen von uns, ob das Kriegsgrauen des 2. Weltkrieges nicht vergessen wird und ob Versöhnung, Frieden, Gerechtigkeit und Demokratie sich dauerhaft durchsetzen können. Heute müssen wir Wege finden, Vorurteile abzubauen oder besser sie gar nicht entstehen zu lassen.

Menschen anderer Nationalität oder Religion sind als gleichwertig anzusehen und wir müssen deutlich machen, dass Antisemitismus Menschenverachtung ist. Rassismus und Nationalismus dürfen keine Chance erhalten. Wir müssen Solidarität leben. Gerade heute verlangsamt sich der Pulsschlag des Lebens und wir sehen selbst wie es ist, wenn Grundrechte wegen der Corona – Pandemie eingeschränkt werden. Wir spüren, was es bedeutet, mit Grenzen und Isolation umzugehen. Wir verzichten aufgrund des “Lockdown“ auf liebgewonnene Gewohnheiten, auf Freiheiten bis hin zur gemeinsamen Feier von Gottesdiensten. „Der Schrei nach Frieden“, wie es Papst Franziskus einmal ausdrückte, fordert uns auf, selbst zu Werkzeugen des Friedens und der Gerechtigkeit zu werden. Ein Leben in Ehrfurcht und Spiritualität für die leidenschaftliche Sorge unserer Welt und die Mitmenschen kann unser Zeugnis sein für das Evangelium der Liebe Gottes. Unser menschliches Dasein gründet auf drei fundamentalen, eng miteinander verbundenen Beziehungen: Die Beziehung zu Gott, zum Nächsten und zur Erde. So können wir beten: Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt; dass ich verbinde, wo Streit ist; dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist; dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht; dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält; dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert; dass ich Freude bringe, wo Kummer wohnt.

Shalom, Frieden, Salam!

Ihr Diakon Bernd-Günter Barwitzki, ofs


Drucken   E-Mail